Sammlungspräsentation – Den Menschen sehen

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Permeke (Facebook-omslagfoto) (48) Standort: Permekemuseum

Sammlungspräsentation – Den Menschen sehen

Der Mensch steht im Zentrum der Kunst von Constant Permeke. Stark und warm, umgeben von anderen – oder verletzlich, tastend und suchend im Leben. Selten blicken seine Figuren den Betrachter direkt an. Sie sind unterwegs zur Kaianlage, um Fisch zu verkaufen, oder sinnieren auf dem Feld beim Pflügen oder Jäten. Der Künstler beobachtet scharf und einfühlsam. Durch seinen Blick wird sichtbar, was es heißt, Mensch zu sein: Ecce homo – siehe, der Mensch.

Permekes persönliches Leben spiegelt sich in seinem Werk wider. Er überlebt zwei Weltkriege, hat sechs Kinder, von denen zwei in jungen Jahren sterben. Er ist jovial und lebensfroh, mit einem reichen sozialen Leben. Seine empathische Haltung zeigt sich in der Annäherung an seine Sujets. Oft isoliert er seine Figuren und platziert sie mehr als lebensgroß in der Fläche. Feinfühlige Bleistiftlinien kombiniert er mit kraftvoll gemalten, dunklen Farbzonen. Die spontane und experimentelle Arbeitsweise lässt das Innenleben der Figuren lebendig werden.

Permeke formuliert niemals eine Menschenvision in Form eines Manifests oder Pamphlets. Sein Menschenbild zeigt sich durch seine künstlerische Praxis, Zeugnisse und Briefe. Es reiht sich ein in eine lange Tradition des Humanismus und bleibt stets ein offenes Bild. Sein Werk lässt Raum für Interpretation und bietet verschiedene Perspektiven für die Betrachtung.

Philippe Vandenberg (1952–2009) versucht, den inneren Kampf des Menschen und den Wahnsinn der Gesellschaft einzufangen. Mit pastosen Farbschichten und heftigen Pinselstrichen erzeugt er eine ähnliche Energie wie Permeke.

Philip Aguirre y Otegui (1961, lebt und arbeitet in Antwerpen) stellt kritische Fragen nach dem Verschwinden von Menschlichkeit. Was passiert, wenn unser mitfühlender Blick nachlässt? Ist Empathie konstant oder kennt sie Grenzen? Seine Installation zeigt eine versteinerte menschliche Figur, angespült und balancierend auf zwei dünnen Metallrahmen – ein Bild, das die Fragilität des menschlichen Daseins evoziert.

Maryam Najd (1965, lebt und arbeitet in Antwerpen) erkundet den nackten Körper und die Dunkelheit. Nacktheit in der Kunst wirft Fragen über Verletzlichkeit und Kraft auf. Ist der nackte Körper ein Bild des Menschen in seinem verwundbarsten Moment oder ein Ausdruck physischer und existenzieller Stärke? In Najds Werk wird das weibliche Nacktsein aus einem nicht-sexuellen Blickwinkel betrachtet. Auch bei Permeke fehlt jegliche Erotik in den Akten. Das Nackte trägt etwas Universelles und übersteigt das individuelle Porträt.

In den Wintermonaten zeigt das Permekemuseum vor allem Werke aus der eigenen Sammlung. Mu.ZEE verwaltet im Permekemuseum für die Flämische Gemeinschaft eine umfangreiche Sammlung von Werken Permekes, hauptsächlich erworben beim Kauf des Wohnhauses 1959, später ergänzt durch Nachlässe der Kinder des Künstlers, der städtischen Sammlung von Ostende und durch Schenkungen. Die Präsentation im Bildhaueratelier zeigt außerdem Werke von drei weiteren Künstlern aus der Sammlung, die jeweils auf ihre eigene Weise Bezug zu Permekes Kunst finden.

Mit Unterstützung von:
Strukturpartner: Delen Private Bank
Öffentliche Behörden: Toerisme Vlaanderen | Vlaanderen Cultuur

ADRESSE: Gistelsteenweg 341, Jabbeke